Allgemeines
Gesetzliche Grundlage

In Nordrhein-Westfalen kommen vereinzelt sowohl in ländlich als auch in städtisch strukturierten Regionen Kräfte zum Einsatz mit der Aufgabe, qualifizierte Erstmaßnahmen bei Notfallpatientinnen oder -patienten bis zum Eintreffen des organisierten öffentlichen Rettungsdienstes am Notfallort durchzuführen. Sie sind Angehörige einer Feuerwehr oder Hilfsorganisation.

Grundlage zur Einrichtung ist der Runderlass des Ministeriums für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie vom 06.04.2005 – III 8 – 0710.2 – Empfehlungen des Landesfachbeirats für den Rettungsdienst zur Einbindung von Einrichtungen der organisierten Ersten Hilfe (Notfallhelfer-Systeme) in Nordrhein-Westfalen. Diese Empfehlung beschreibt das Verhältnis zum öffentlichen Rettungsdienst, Rechtsgrundlagen, regelt Einsatzindikationen, Qualifikation, Ausstattung und Tätigkeitsbereich der Notfallhelfer sowie Maßnahmen zum Qualitätsmanagement.

Rettungsdienstliche Versorgung der Gemeinde Ruppichteroth

In der Gemeinde Ruppichteroth ist im Ortskern von Ruppichteroth eine Rettungswache in Trägerschaft des Rhein-Sieg-Kreises eingerichtet. Der dort stationierte Rettungswagen versorgt im Wesentlichen das östliche Gemeindegebiet sowie Teile der Gemeinde Much. Für das westliche Gemeindegebiet mit den Ortslagen Winterscheid, Schreckenberg, Winterscheiderbröl, Hatterscheid, Litterscheid und Fußhollen sowie weiteren kleineren Ortschaften, Bundes-, Land- und Kreisstraßen sind andere Rettungsmittel der Rettungswachen in Hennef, Pohlhausen und Eitorf zuständig. Da die genannten Orte zum Teil am Rande der Einsatzbereiche dieser Standorte liegen, bewegen sich die Eintreffzeiten der Rettungsmittel meist nur knapp unterhalb der in der Rechtsprechung anerkannten Hilfsfrist von 12 Minuten. Bei einem lebensbedrohlichen Notfall ist es von enormer Bedeutung das therapiefreie Intervall (Zeitraum vom Eintritt des Notfalls bis zur ersten Behandlung des Patienten) möglichst kurz zu halten. Daher ist es sehr sinnvoll Notfallhelfer zur Überbrückung einzusetzen. Ein Notfallhelfer-System kann jedoch lediglich eine Ergänzung zum öffentlichen Rettungsdienst darstellen und diesen keinesfalls ersetzen.

Erste Überlegungen im Löschzug Winterscheid

Aufgrund der o.g. Lage der Ortschaften im Raum Winterscheid als Randgebiete in der rettungsdienstlichen Versorgung und der Anzahl bereits medizinisch ausgebildeten Mitglieder, entstand die Idee im Löschzug Winterscheid ein Notfallhelfer-System zu installieren. Feuerwehrarzt Dr. Herbert Broich zeigte sich gleich interessiert und konnte zur Mitarbeit am Aufbau einer solchen Einrichtung gewonnen werden. Im kleinen Kreis wurden Möglichkeiten und Voraussetzungen erörtert. Die Angehörigen des Löschzuges wurden zum grundsätzlichen Interesse an Ausbildung zum und Mitarbeit als Notfallhelfer befragt. Auch hier konnte man zahlreiche Kameraden für die Idee gewinnen. Nachdem der Leiter der Feuerwehr, Gemeindebrandinspektor Claus Müller, über die Pläne informiert wurde, nahm man Kontakt zum ärztlichen Leiter des Rettungsdienstes des Rhein-Sieg-Kreises, Frank Riebandt, auf und ließ sich in einer Besprechung umfangreich über Rahmenbedingungen entsprechend des Runderlasses unterrichten. Herr Riebandt sagte uns seine Unterstützung zu. Der Bürgermeister als Dienstherr hat entschieden, Notfallhelfer-Einsätze als zusätzliche freiwillige Aufgabe der Feuerwehr zu übernehmen.

Einsatzbereiche

Die Gruppe der Notfallhelfer soll in Winterscheid und den umliegenden Ortschaften bei Notfällen zum Einsatz kommen, bei denen ein Notarzt erforderlich ist. Desweiteren besteht die Möglichkeit, die Notfallhelfer auch bei Einsätzen für einen Rettungswagen mitzualarmieren, wenn das originär zuständige Fahrzeug nicht verfügbar ist und es daher zu Zeitverzögerungen kommt. Die Notfallhelfer stehen außerdem für die Unterstützung des Rettungsdienstes bei Verkehrsunfällen auf den Bundes-, Land- und Kreisstraßen und größeren Schadenslagen (MANV = Massenanfall von Verletzten/Erkrankten) im Ausrückebereich des Löschzuges und darüber hinaus zur Verfügung. Die Entscheidung zur Alarmierung trifft die Feuer- und Rettungsleitstelle des Rhein-Sieg-Kreises.

Der Einsatz der Notfallhelfer wird zu keiner Zeit den originären Aufgaben der Feuerwehr entgegenstehen. Wird die Feuerwehr zu einem Einsatz gerufen, ruht die Einsatzbereitschaft als Notfallhelfer. Es ist jedoch auch für jeden Feuerwehreinsatz zu begrüßen, in der erweiterten Ersten Hilfe ausgebildetes Personal in den eigenen Reihen zu haben.