Innovation Feuerlöschspray - Der Nachfolger des Feuerlöschers?
Brandschutz aus der Spraydose - Was taugen die neuen Feuerlöscher?



Rund 630.000 Wohnungen und Häuser gehen jährlich in Flammen auf.
Häufigste Ursache: defekte Elektrogeräte oder vergessene Zigaretten.
400 Tote soll es dadurch im Jahr geben.
Trotzdem gibt es in den meisten Haushalten keine Feuerlöscher.
Das könnte sich nun ändern.

Lodernde Flammen, dunkle Rauchschwaden, Menschen in Panik: Bei privaten Brandkatastrophen gehen jedes Jahr 630.000 Häuser und Wohnungen in Flammen auf, rund 20.000 Autos brennen jährlich aus. Die Folgen sind in vielen Fällen schwerwiegend: Das Statistische Bundesamt schätzt, dass in Deutschland jährlich knapp 400 Menschen bei Bränden sterben. Etwa 6000 Menschen werden schwer verletzt, 60.000 Menschen erleiden leichte Verbrennungen.

Damit es erst gar nicht soweit kommt, raten Experten: In jeder Wohnung sollte es Rauchmelder und einen funktionierenden Feuerlöscher geben. Daran mangelt es noch immer in vielen Haushalten. Warum? Herkömmliche Feuerlöscher sind meist sehr groß, scheinen unhandlich und kompliziert zu bedienen. Ein neues Feuer-Löscher-Spray verspricht nun eine einfache Anwendung und zuverlässige Löschkraft. Aber funktioniert das auch?


Brandschutz aus der Dose - was sind die Vorteile?

Im Gegensatz zu konventionellen Feuerlöschern ersticken die Sprüh-Löscher die Flammen mit Schaum und nicht mit Pulver. Das hat den Vorteil, dass man die neuen Löscher besser punktuell einsetzen kann und nicht gleich die ganze Wohnung "eingenebelt" wird.

Die Sprüh-Löscher sind zudem wesentlich handlicher und wiegen weniger als ein Kilo. Sie haben etwa die Größe einer Haarspray-Dose und sind auch genauso zu bedienen: Das Löschmittel wird einfach aus einem Meter Abstand auf den Brandherd gesprüht. Weiterer Vorteil: Der Sprühschaum soll haut- und atemwegsverträglich sein, verspricht der Hersteller.

Was sagen Experten zum neuen Sprüh-Löscher?

Reinhard Ries, Leiter der Frankfurter Feuerwehr, war nach Löschversuchen mit dem Sprüh-Sprühlöscher positiv überrascht. Er sagt, dass eine Kombination von Rauchmeldern und dem neuen Löscher ein guter Brandschutz für zu Hause sei.

Auch Jürgen Begere, stellvertretender Referatsleiter für Polizei-Technik im hessischen Innenministerium, ist von Löschkraft und Funktionalität der neuen Sprüh-Löscher überzeugt. Die hessische Polizei wird jetzt flächendeckend damit ausgestattet. Die neuen Löscher seien etwa für Polizeieinsätze bei Unfällen von Vorteil, sagt Begere: Wenn die Polizei vor der Feuerwehr vor Ort sei, könnten die Beamten schon damit beginnen, brennende Fahrzeuge zu löschen. Dies sei vorher vor allem bei Unfällen mit eingeklemmten Personen nicht immer möglich gewesen: Denn der Einsatz von Pulverlöschern führt im schlimmsten Fall dazu, dass die eingeklemmten Personen ersticken.

Wo bekomme ich die Feuer-Löscher?

Reinhard Ries, Leiter der Frankfurter Branddirektion, empfiehlt, auf zwei Aufdrucke auf der Verpackung zu achten: Der Löscher sollte zum einen mit dem "GS"-Zeichen gekennzeichnet sein. Dieses Prüfsiegel wird von der Material-Prüfanstalt in Dresden vergeben und steht für "Geprüfte Sicherheit". Außerdem sollte man auf den Aufdruck "Von der Feuerwehr empfohlen" achten, sagt Ries.

Die neuen Sprüh-Löscher bekommt man unter anderem beim Deutschen Feuerwehrverband: www.feuerwehrversand.de

Der Preis liegt zwischen 24,95 Euro und 39,95 Euro. Es gibt verschiedene Ausführungen für verschiedene Anwendungsbereiche, etwa für Haus und Büro oder für Auto und Fahrrad.

Warum gibt es bisher in so vielen Haushalten keinen Feuerlöscher?

Dass hat sicherlich mehrere Ursachen: Zunächst sind herkömmliche Pulver-Feuerlöscher oftmals groß und unhandlich. Viele Menschen wissen außerdem nicht, wie man sie richtig bedient. Zudem kann es auch negative Folgen haben, wenn man einen Feuerlöscher in geschlossenen Räumen verwendet: Das Lösch-Pulver kann, wenn es eingeatmet wird, die Atemwege reizen und schädigen. Und weil durch das Pulver alles "eingenebelt" wird, kann es außerdem zu Sichtbehinderungen kommen.

Sind Feuerlöscher nicht gesetzlich vorgeschrieben?

Nein, für Privathaushalte gibt es keine Feuerlöscher-Pflicht. Anders sieht es in Betrieben aus: Schon ab einem Angestellten müssen Arbeitgeber die Räume mit Feuerlöschern ausrüsten. Diese müssen dann alle zwei Jahre von einem Experten gewartet und überprüft werden.

Und im Auto? Sollte es da einen Feuerlöscher geben?

Nein. Der ADAC rät sogar eher davon ab, im Auto einen Feuerlöscher mitzunehmen: Weil Laien damit oft nicht gut umgehen können, weil das Pulver der Feuerlöscher für die Atemwege schädlich sein kann und weil es bislang keine zuverlässigen Halterungen für Feuerlöscher gibt. Deshalb ist die Gefahr groß, dass der Löscher bei einem Aufprall durch das Auto geschleudert wird, sagt der ADAC.

Quelle: www.stern.de (SternTV Sendung vom 02.06.2010)

Natürlich bietet der Einsatz der neuen "Feuer-Lösch-Sprays" gegenüber den herrkömmlichen Feuerlöschern auch einige
Nachteile, über die sich jeder, der sich für den Kauf eines Spray entscheidet, im Klaren sein sollte:


  • Feuer-Lösch-Sprays sind kein vollwertiger Ersatz für herkömmliche Feuerlöscher,
    Sie dienen lediglich als Alternative bzw. Ergänzung zum oben genannten Löschmittel
  • Verfügen nur über eine begrenzte Einsatzmöglichkeit aufgrund der geringen Füllmenge
    und sind daher ausschließlich für kleine Entstehungsbrände geeignet
    (PKW-Unfälle, Grill- oder Personenbrände, Kleinbrände im Haushalt)
  • Löschwirkung hängt stark von äußeren Einflüssen ab (z.B Brandausbreitung durch Wind.)
  • geringe Wurfweite des Löschers -> Gefahr von Brandverletzungen und Rauchgasvergiftungen
    für Personen durch sehr geringen Sicherheitsabstand, da unmittelbar am Brandherd gelöscht werden sollte
  • Fettbrände können trotz Einsatz eines speziellen Sprays außer Kontrolle geraten,
    es kann sogar zur Fettexplosion kommen